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Selbstverständnis

Am 4. November 2011 wurde durch Selbstenttarnung bekannt, dass eine Personengruppe, die sich selbst als Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) bezeichnete, für eine jahrelange Mordserie und verschiedene Sprengstoffanschläge verantwortlich ist. In München stehen seit Mai 2013 fünf Menschen vor Gericht: Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe gilt als einzige Überlebende eines vermeintlich autark handelnden mordenden Trios, die vier weiteren Personen sind als ihre Helfer angeklagt.

Es ist davon auszugehen, dass der sog. NSU keinesfalls nur aus drei Personen bestand, sondern ein dichtes Netzwerk an Unterstützer_innen hatte. Sowohl im Prozess in München als auch in der überwiegenden medialen Berichterstattung ist zu beobachten, dass eine gesamte Aufklärung des NSU-Komplexes wohl nicht beabsichtigt ist. So hatte zum Beispiel die Nebenklage Beweisanträge gestellt, die ein mögliches Unterstützungsnetzwerk in Dortmund aufzeigen könnten. Die Bundesanwaltschaft hat diese abgelehnt mit der Begründung, sie seien nicht verfahrensrelevant.
13 Jahre lang konnte der NSU ungehindert agieren. Dass daran auch staatliche Behörden beteiligt waren, offenbarten spätestens die verschiedenen Untersuchungsausschüsse, die sich bereits mit der Aufarbeitung des Komplexes beschäftigt haben.

Antifaschistische Initiativen haben es allerdings jahrelang versäumt, Zusammenhänge zu erkennen und Druck aufzubauen. Migrantische Communitys erhielten kaum Gehör, als sie versuchten, darauf aufmerksam zu machen. Auch in Dortmund wurde es – sowohl vor als auch nach der Enttarnung – versäumt, nachhaltig zu dem Thema zu arbeiten, obwohl in dieser Stadt am 4. April 2006 Mehmet Kubaşık zu einem der zehn Mordopfer des NSU geworden ist.

Die Initiative NSU-Komplex Aufklären Dortmund versucht nun, einen Beitrag dazu zu leisten, sich aktiv an der Aufarbeitung zu beteiligen. Dies gilt in Hinblick auf Neonazis und ihre Aktivitäten sowie die Rolle der Behörden und der Geheimdienste. Betrachtet werden sollen Verbindungen des NSU zu Dortmund aus einem antifaschistischen und antirassistischen Blickwinkel.

Im Hinblick darauf wollen wir mit Gruppen zusammenarbeiten, die sich ebenfalls mit dem Thema befassen. Wir öffnen uns für verschiedene Sichtweisen auf das Thema und begrüßen eine Zusammenarbeit, um ein Netzwerk herzustellen, zu dem alle beteiligten Gruppen ihre Perspektiven auf den Komplex einfließen lassen können.

Die Initiative NSU-Komplex Aufklären Dortmund möchte

  • relevante Informationen rund um den NSU-Komplex mit Dortmunder Bezug bereitstellen
  • einen Beitrag zur Aufklärung der Strukturen und Kontakte des NSUs in Dortmund leisten
  • institutionellen Rassismus in den Fokus rücken
  • den Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA) in Nordrhein-Westfalen beobachten

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