Gedenkdemonstration für Mehmet Kubaşık

kubasikAm kommenden Samstag jährt sich der Todestag von Mehmet Kubaşık zum neunten Mal. Er wurde am 4. April 2006 in seinem Kiosk an der Mallinckrodtstraße mit mehreren Schüssen ermordet. Nach langer Zeit der Ungewissheit ist heute klar, dass der sogenannte „Nationalsozialistische Untergrund (NSU)“ für diese Tat verantwortlich ist. In Gedenken an Mehmet Kubaşık findet daher an diesem Samstag eine Demonstration statt. Sie beginnt um 15 Uhr an der Mallinckrodtstraße 190, vor dem ehemaligen Kiosk Mehmet Kubaşiks.

Über fünf Jahre lang falsche Verdächtigen, über fünf Jahre unter der Schikane der Polizei

Nach dem 4. April 2006 begann der Albtraum für die Famile Kubaşık. Seine Frau Elif und seine Tochter Gamze Kubaşık wurden nur einen Tag später von der Polizei vernommen und selbst verdächtigt. Mehmet Kubaşık soll mit Drogen und der Mafia zu tun gehabt haben, soll der PKK nahe gestanden haben und außerdem seiner Frau untreu gewesen sein, so die Beschuldigungen. Die Ermittlungen in ein sogenanntes migrantisches Milieu, das Eindringen in die Privatsphäre der Familie begründete die Polizei mit angeblich stichhaltigen Beweisen.
Die Familie war jahrelang einem enormen gesellschaftlichen Druck ausgesetzt. Sie wurde von ihrem Umfeld gemieden, es wurde über sie geredet und immer wieder musste sich die Familie rechtfertigen.

04. November 2011 – Tag der Gewissheit

Über fünf Jahre später wurde endlich bekannt, wer wirklich hinter dieser schrecklichen Tat steckte. Es waren Neonazis, welche am 04. November 2011 unter dem Namen “NSU” bekannt wurden. Ein Bekennervideo offenbarte, dass auch Mehmet Kubaşık aus einer rassistisch-menschenverachtenden Ideologie heraus ermordet wurde. Doch Hinweisen in diese Richtungen gingen die Ermittler*innen nie ernsthaft nach.

Schon damals gab es eine Zeugin, die die mutmaßlichen Täter*innen kurz nach dem Mord gesehen hat. Sie sagte, dass sie zwei Männer gesehen habe, einen davon mit einem Fahrrad, die wie „Nazis oder Junkies“ ausgesehen haben. Einer dieser Männer hielt eine Überwachungskamera in der Hand. Die Familie Kubaşık wies die Polizei darauf hin, dass sie Neonazis hinter der Tat vermuten, und auch Cem Yilmaz vom Alevitischen Kulturverein Dortmund sprach damals davon, dass ein rechtsextremistischer Hintergrund einleuchtend sei. Ihr Verdacht wurde als bedeutungslos abgetan.

13 Jahre lang Ermittlungen in falsche Richtungen

Auch in anderen Fällen der Mord- und Anschlagsserie wurden solche Vermutungen geäußert. Wie also konnte es dazu kommen, dass die Polizei und andere Behörden, die Familien der Opfer verdächtigte und sogar eine Sonderkommission names „BAO Bosporus“ einrichtete, welche hunderte von Personen vernahm und noch mehr Daten zum Thema PKK, einem sogenannten „kriminellen Millieu“ o.ä. auswertete, auf der anderen Seite aber jegliche Hinweise in Richtung Neonazis als nichtig begriff oder diesen überhaupt nicht nachging?

Wir kritisieren die rassistisch geprägten Ermittlungen der Behörden im dem Fall von Mehmet Kubaşık sowieso der gesamten Mordserie des „NSUs“. Noch fehlt es an Aufklärung des gesamten Komplexes – sei es in Richtung der Behörden und Geheimdienste oder in Richtung der Neonazis. So steht auch in Dortmund immer noch die Frage aus, wer den „NSU“ möglicherweise unterstützt hat. Den Hinweisen auf die C18-Zelle muss dringend nachgegangen werden, um eine möglichst umfassende Aufklärung zu erlangen. Die Bundesanwaltschaft lehnt dies bislang im NSU-Prozess ab.

Gedenken am Mehmet Kubaşık

Doch bei all der Kritik und den offenen Fragen, die noch zu klären sind, ist der 4. April auch ein Tag des Gedenkens. Ein Tag des Gedenkens an Mehmet Kubaşık, welcher sterben musste, weil er nicht in die Ideologie der Neonazis passte.
Die Demonstration zum Gedenken an Mehmet Kubaşık beginnt um 15 Uhr an der Gedenktafel an der Mallinckrodtstraße 190.

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